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Fuerteventura, auf dem Stahlross durch die Prärie.

Hauptsächlich auf der Straße unterwegs, dreh ich hier und da mal mal ein paar Meter

mit `ner Enduro, aber so richtig den ganzen Tag im Dreck?

Mit rotem Kopp und Muskelkater und so? Das hatte ich das letzte Mal mit 17.

Um 6 klingelt der Wecker. Im Urlaub. Ich bin sofort hellwach und düse zum Enduro-Guru

nach La Pared. Als ich ankomme stehen 2 Yamaha WR 250 R vor der Tür und ich werde mit einem strahlenden, offenem Lächeln begrüßt: „ Hi, Frank.“ „Hi,Uli.“ „Schuhgröße?“ Hier hängen mehr Klamotten als in manchem Moppetladen.

Es finden sich sogar perfekt passende Handschuh für mich. Für meinen superlangen Daumen in Verbindung mit einem schmalen Handgelenk gibt’s selten was passendes. In komplettem und hochwertigem Enduro Outfit fühle ich mich ein wenig wie ein Senior Power Ranger.


Los geht’s. Ohne schlechtes Gewissen direkt ins Geröll. Fuerteventura besteht, bis auf wenige Ausnahmen aus Geröll. Wir surfen ohne Hetze über die Pisten und Frank hält sich an die gesetzlichen Vorgaben. Das heißt nicht, daß es langweilig wird.


Es ist wie immer und überall, wenn man sich nicht wie die Axt im Walde benimmt, gibt’s keine Probleme. Wir fahren ein wenig flotter und ziehen eine Staubwolke hinter uns her.

Der Wind kommt von Links, Frank fährt vorn rechts um mich zu verschonen. Ein Typ mit einem Esel begegnet uns, wir steigen in die Eisen und rollen, ohne Staub, freundlich winkend vorbei.

Der Eselsmann lächelt zahnlos zurück. Wie war das mit der Axt?


Wir tauchen durch einen Tunnel unter der Autobahn hindurch. Am Ende des Tunnels geht’s nicht mehr weiter. Mit einem leichten Hüpfer überbrückt Frank eine 1,5 Meter hohe Betonkante, es geht also doch weiter. Er fragt: “Traust’e dir das zu, oder soll ich machen?“ Das war so elegant, die Yamaha taucht so weich in die Federn. Das traue ich mir zu. Hupf… total easy. Endorphine durchfluten mich. Frank reißt die Arme hoch: „Hurraaaa!!!“




Langsam bekomm ich mehr Gefühl für die wieselflinke Enduro, für die Reifen, den Grip. Ich glaube wir werden auch ein bisschen flotter. Aber das ist nicht wichtig hier muss niemand Höchstleistungen vollbringen. „Hier sollen alle nur Spaß haben, keinen Stress. Der Straßenfahrer mit dem Tourenmoppet. Das Mädel mit der Harley. Alle!“ so der Guru mit seinem breiten Hamburger Slang…“Hier muss keine/r zeigen was sie/er kann, da geht’s überhaupt nicht drum.“ Erklärt er mir während einer kleinen Pause am Strand.



Und dann tobt er wie ein Derwisch auf dem Hinterrad zwischen ein paar der wenigen Palmen einen Pfad hoch, alles legal natürlich.




Auf dem Heimweg schießen wir noch ein Bild gegen die Sonne die gleißend auf’s Meer ballert.

Für heute ist genug. Ich bin völlig verschwitzt, verstaubt und glücklich.

Morgen ist auch noch `n Tag.




Gleiche Zeit, gleicher Wecker, gleicher Ort. 4 Yamahas vor der Tür. Francis & Thomas, 2 Fahrlehrer aus der Schweiz spielen heute mit und haben auch Bock auf gute Bilder.


Ach so, da war gestern noch die eine Stelle an der ich doch leicht Herzklopfen bekam.

Meine Wahl, ich hätte auch die gemäßigtere Passage wählen können. Nach dem Herzklopfer kamen natürlich auch sofort die Endorphine. Alles richtig gemacht, war ganz easy.

An genau dieser Stelle, schiessen wir die ersten Bilder.





Dann typisch Fuerteventura, ein Westernstyle Windrad mitten in der Prärie. Ich schmeiße mich wie John Wayne in den Staub

und die 3 reiten auf ihren Stahlrössern vorbei. Yeeha…

Die Schweizer sind nicht nur nette Typen sondern auch sehr gute Fotofahrer.

Frank: “Hier wurden in den 60ern etliche Western gedreht. Ihr kennt das, Gruselige Mundharmonika, die Wasserflasche ist leer, gleißende Sonne. Nur noch Lumpen am Körper,

das Leben macht kein Sinn mehr und dann kommt der Scorpion und erlöst dich.“

Klar kenn ich das, aus der Glotze, jetzt fühl ich mich wie’n 6 Jähriger.









Wir erklimmen den Morro de Piedras Caidas und halten bei dem grandiosem Ausblick

einen Moment inne.

Runter vom Berg. Pause: Wasser, Cortado Largo und ein Eis.



Ein paar Km über die Straße und ganz unvermittelt hebt Frank die rechte Hand, das scheint ihm lieber zu sein als zu blinken und fährt direkt von der großen Straße in den Staub.

Ich glaube so etwas geht nur auf Fuerte.





Wir surfen bestimmt 20 km durch die einsame Prärie und stossen auf eine verlassene Kiesgrube.

Ich regrediere zum 15jährigen und erinnere mich an unsere OffRoad Erlebnisse mit den Mofas. ich muss an Bernhard denken, der so oft mit seiner Hercules Hobby Rider über die Sprungschanze donnerte, bis das Mofa in der Mitte auseinander brach. Darauf hin kaufte er sich eine Malaguti, das war schon `ne `richtige Enduro. Ich besorgte mir ne Zündapp und kehrte dem Gelände den Rücken….Und jetzt kommt alles wieder hoch, Großartig!



Wir toben wie kleine Jungs durch die Kiesgrube, bergauf, bergab. Jeder wie er kann und mag.

Fern eines Oberlehrers gibt Frank uns sehr hilfreiche Tipps und das auf so eine freundliche Art, da fühlt sich keiner gegängelt, bevormundet oder auf irgendeine andere Art unwohl.




Langsam treten wir den Heimweg an, sind bestimmt noch 30km. Kurz vor La Pared fragt

Frank: “Wollt ihr’s `n bisschen härter?“ Alle schreien:“Jaaaaaa!“ Und jetzt wird’s wirklich sportlich.

Wir kämpfen uns durch ein ausgetrocknetes Flussbett, wirklich über Stock und Stein, nicht Stöckchen und Steinchen. Ufer hoch, Ufer runter. Ich stoße echt an meine Grenzen,

aber Frank hätte immer eine leichtere Übung parat, aber auch eine härtere.

Genau die wählt er für sich und wir jubeln ihm zu.

Franky, that was amazing.

Und morgen hab ich Muskelkater, überall!

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